00:00:06: Rhythmuskontrolle durchführen.
00:00:08: Das zeichnet auch die besonders guten Einsatzhunde aus, dass der Hund von sich aussagt.
00:00:12: ich möchte diese Person unbedingt
00:00:14: finden.
00:00:16: was passiert wenn ein Mensch vermisst
00:00:17: wird
00:00:18: mitten in der Nacht bei Kälte ohne Jacke?
00:00:21: dann rufen manche nicht nach Schlagzeilen sondern nach Menschen die losfahren.
00:00:26: meine heutige Gesprächspartnerin gehört dazu Frau Annette Quant.
00:00:30: sie ist Tierärztin in Greifswald und leitet seit vielen Jahren ehrenamtlich Die Rettungshundestaffel.
00:00:36: Ostvorpommern greift so alt.
00:00:38: Mit ihren Hunden sucht sie Menschen, wenn jede Minute zählt und für dieses Engagement wurde sie sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
00:00:47: Wir sprechen heute darüber was es heißt Verantwortung zu tragen und Entscheidung zu treffen Und wir nehmen dich mit zu den Geschichten die gut ausgehen und zu denen die leider kein Happy End haben.
00:01:02: Ich bin Antje Das hier ist mein Herzensprojekt.
00:01:06: Gemeinsam mit dir und den Kollegen will ich der Welt zeigen, was wir alles Gutes tun.
00:01:34: Sie behandeln Tiere, führen Gespräche mit Haltern und abends klingelt das Telefon weil ein Mensch vermisst wird.
00:01:41: Können sie uns mal mitnehmen in so einen Moment?
00:01:44: Was passiert innerlich bei ihnen wenn sie von der Tierärztin in die Einsatzrolle wechseln?
00:01:49: Und was lässt sie dann trotzdem jedes Mal losfahren auch wenn sie wissen das könnte jetzt ein bisschen hart werden?
00:01:55: ja also wenn der Piper geht mit dem Nicht so schönen Alarmton, dann muss ich erst mal ein Telefonat führen.
00:02:03: Worum es denn geht?
00:02:04: Und dann wird der Rest der Truppe alarmiert.
00:02:07: Wir sind ja eine Einsatzkooperation in Mecklenburg-Vorpommern.
00:02:10: Da sind Staffeln vom ASB, vom DRK von den Johannitern, Maltesern und vom BRH die gemeinsam in den Einsatz gehen.
00:02:18: Dann wird eine Divera-Alarmierung bei uns losgetreten.
00:02:20: Das macht die Feuerwehr auch, das sind Alarmierungen, die sehr schnell gehen und wo man mit wenig Aufwand schnell die Leute erreicht und was eben wirklich jeder hört.
00:02:30: Und dann kommen die Rückmeldungen, dann wird sich umgezogen, die Hunde eingepackt und dann geht's los in der Regel zum Treffpunkt, wo man gemeinsam losfährt.
00:02:40: Dann wird besprochen, was da passiert und wo wir hinfahren wer vermisst wird Und dann ist man auf Einsatz geschaltet.
00:02:49: Das geht ziemlich schnell eigentlich, macht das ja schon sehr lange und von daher ist das schon Routine da.
00:02:55: Wie lange machen Sie das?
00:02:56: Ich mache knappe dreißig Jahre die Rettungsunderarbeit.
00:03:00: Sie haben gerade von Ihrem Einsatz gesprochen.
00:03:01: Da gibt es keinen Probelauf.
00:03:02: Kälte, Dunkelheit, Zeitdruck sind so Attribute, die mir sofort einfallen.
00:03:07: Ein Hund, der Ihnen mit kleinen klaren Signalen zeigt ... Da könnt's lang gehen!
00:03:13: Wie sieht so ein Moment aus?
00:03:15: In dem Moment, wo das Geschirr drauf ist weiß der Hund.
00:03:17: Er hat die Führung und dann bin ich eigentlich mit Läufer.
00:03:21: Ich darf mir und soll mir auch Gedanken machen darüber was macht der Hund, was zeigt er mir vielleicht.
00:03:26: Und dass es natürlich eine Erfahrungssache ist wenn man das lange macht lernt man seinen Hund gut zu lesen und dann dem Hund eigentlich nur in den Situationen weiterzuhelfen wenn zum Beispiel der Geruch irgendwo in einer Sackgasse ist vielleicht von der nächsten Straße rübergeweht wird und der Hund aber diesen Ausweg nicht findet, dass man dann mal sagt, komm wir gehen auf die anderen Seite noch mal gucken.
00:03:48: Ansonsten muss der Hund den Job machen.
00:03:50: Ich habe die Nase nicht ich habe auch keine Ahnung wo der Geruch sein kann und dementsprechend muss sich dem Hund vertrauen.
00:03:56: das ist eigentlich das wichtigste dem Hund zu vertrauen dass er seinen Job machen möchte Und das zeichnet auch die besonders guten Einsatzhunde aus Dass der Hund von sich aussagt.
00:04:06: ich möchte das machen ich möchte diese Person unbedingt finden.
00:04:09: Das ist eigentlich auch das Ziel unserer Ausbildung, dem Hund beizubringen.
00:04:13: Dass das das Tollste ist was in seinem Leben passieren kann dass er nachts losgehen darf und eine Person suchen.
00:04:19: Und wenn uns das gelingt in der Ausbildung dann haben wir einen Hund der da wirklich mit Herzblut bei der Sache ist und der immer sein Bestes geben wird.
00:04:27: Das heißt nicht, dass man die Personen findet.
00:04:29: Manches geht einfach nicht und das ist auch für den Hundeführer sehr schwer zu lernen.
00:04:34: erstens Wir sind Menschen und als Menschen sind wie immer der Meinung, dass wir alles besser wissen Und das ist eben genau das, was in diesem Fall nicht funktioniert.
00:04:42: Der Hund weiß es besser und der Hund hat aber eben nicht wie wir die Ideen ... Die Person geht gerne zum Wasser oder die Person sitzt am liebsten da unten am Strand.
00:04:53: Das weiß der Hund nicht, der muss sich nur auf seine Nase verlassen.
00:04:57: Wir müssen letztendlich ausschalten dass wir sagen bestimmt geht das darunter zum Strand Denn das würde den Hund beeinflussen weil er wills uns recht machen und wir dürfen nicht die Führung übernehmen.
00:05:07: Frau Quandt, es gibt Einsätze.
00:05:09: Da müssen Sie für die Spur Ihres Fundes einstehen, obwohl andere vielleicht skeptisch sind und Polizei, Einsatzleitung ... Und alle schauen auf sie.
00:05:16: Erinnern Sie sich an einen Moment, an dem Sie gemerkt haben, wenn ich jetzt hier einknecke, verlieren wir Zeit?
00:05:22: Und vielleicht auch einen Menschen?
00:05:24: Wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?
00:05:27: Und später auch, wenn der Einsatz vorbei ist, wenn's wieder still ist?
00:05:31: Gabs schon so einen Moment?
00:05:32: Das ist schwierig.
00:05:33: Wir hatten einen Moment, das war hier in Tuto.
00:05:36: Da wurde aus einem Seniorenheim jemand vermisst der früher auf diesem Flugplatz in Toto, der jetzt stillgelegt ist gearbeitet hat und dieser Flugplatz ist mittlerweile vollständig eingezäunt.
00:05:46: Und am Abend vorher als er verschwunden war waren schon andere Kräfte da die Polizei mit Pferdenhunden und Der Hubschrauber war geflogen.
00:05:54: es war also schon viel passiert.
00:05:55: wir wurden morgens alarmiert haben mal ein tag Einsatz gehabt und meine Hündin damals ist zu diesem Zaun gelaufen und stand dann am Zaun, der Wind zog deutlich über den Zaun zu uns hin.
00:06:08: Und sie hat auf einer Länge von etwa hundert Metern am Zaun, ist sie auf und abgelaufen.
00:06:12: Hat die Nase immer in den Zaun gesteckt und hat gesagt da muss sie hin!
00:06:16: Dann haben wir gesagt ne da kann er gar nicht hin das kann ja gar nicht sein.
00:06:19: und dann habe ich auf die Karte geguckt hab gesehen Ich wusste ja der Hubschrauber ist schon geflogen Habt dann gesehen dass da ein kleines Stückchen Wald ist und Ein kleiner See und Das passt auch von der Richtung wo die nase hin zeigte und habe ich gesagt also ich denke der wird da irgendwo sein Da muss eigentlich sein der Hupschraube ist ja schon ge flogen.
00:06:38: Na gut, der Hubschrauber sollte gerade wieder abdrehen.
00:06:41: Der war immer noch da und dann sagte der Einsatzleiter der Polizei, der mit mir mitgelaufen ist, wann er das mal sehen wollte was die Hunde so machen.
00:06:49: Naja dem Hubschaubapiloten soll auf jeden Fall nach dem Tank nochmal wiederkommen und dort nochmal absuchen.
00:06:56: Und dann haben wir uns ein Fahrzeug organisiert wollten auch drauf fahren mussten einen haben der die Tür aufmacht und sind dann dahin gefahren Das letzte Stück im Auto fuhren, da hörte ich den Hubschrauber schon über mir knattern und dann kam schon der Funkspruch.
00:07:09: Ja wir haben ihn erliegt hier!
00:07:11: Und er lag genau da wo ich es vorher gesehen habe was aber weit aus dem Fenster gelehnt war weil ich dann im Nachhinein hörte... Der Hubscherber war überhaupt nicht über den Flugplatz gefrogen weil da konnte er ja nicht sein.
00:07:23: Er war ja eingezäunt.
00:07:24: Den hatte er ausgelassen.
00:07:25: das heißt er hätte auch Überall woanders auf diesem Flugplatz liegen können, der groß war.
00:07:30: Aber in Kombination mit die Nase zeigte genau dahin, haben wir Glück gehabt dass es genau da war und waren natürlich alle etwas beeindruckt wie man das bei sechshundert Metern Luftlinie die zwischen der Person und dem Hund waren tatsächlich so genau sagen konnte.
00:07:44: aber bei dem Wind der War der war halt auch günstig war das möglich und der alte Herr hat überlebt.
00:07:51: hätten wir ihn nicht gefunden hätte er das sicherlich nicht überlebt.
00:07:54: Das war im Winter, es war gefroren.
00:07:56: Es war schon sehr kalt, der war eine ganze Nacht draußen gewesen.
00:07:59: Da zieht er jede Minute?
00:08:01: Ja.
00:08:01: Eindrucksvolles Erlebnis oder?
00:08:03: Ja!
00:08:03: Das sind so Erfolgserlebnisse.
00:08:04: Aber es geht ja nicht immer gut aus?
00:08:06: Nein, es geht nicht immer ganz gut aus.
00:08:07: Wir haben auch suizidale Personen die wir suchen.
00:08:09: aber auch da ist es so dass man für sich selber eben entscheiden muss.
00:08:14: kann ich damit umgehen und ich persönlich sehe das so, wir haben so viele Einsätze Suizidalen Personen, die es immer wieder probieren.
00:08:24: Dass ich denke, wenn einer das unbedingt will, ist es sein Wunsch gewesen, das zu tun und er wird es irgendwann schaffen.
00:08:34: Das darf man dann nicht an sich rankommen lassen, sonst kann man das nicht dauerhaft machen.
00:08:38: Auf der anderen Seite hat man auch den Angehörigen was Gutes getan, wenn derjenige schnell wieder auftaucht, wenn man ihn finden kann oder bedrohern kann was ihm passiert ist.
00:08:52: Das ist ja auch ein Teil unserer Aufgabe.
00:08:55: Für ihr Jahrzehntes langes Engagement haben Sie das Bundesverdienstkreuz erhalten, herzlichen Glückwunsch!
00:09:00: Dankeschön!
00:09:03: Gleichzeitig besteht Ihr Alltag aus Training im Regen.
00:09:05: Sie sind nachts unterwegs in den Wald beeinsetzen und die ja wie sie sagen nicht immer gut ausgehen.
00:09:12: wir gab es einen Moment an dem diese Auszeichnung plötzlich greifbar wurde vielleicht weil sie auch dachten Das sieht hier sonst niemand.
00:09:20: Und was wünschen Sie sich, dass Menschen durch diese Anerkennung über die Arbeit der Rettungshundestaffel verstehen sollen?
00:09:26: Was sollen sie mitnehmen?
00:09:27: Sie sollen mitnehmen, dass es eine Arbeit ist, die tatsächlich relativ wenig gesehen wird.
00:09:32: Zumal sie eben nachts stattfindet und vor allem ... Im Bewusstsein der Bevölkerung ist es so, auch wenn wir zur Polizei einsetzen mitgerufen werden.
00:09:41: Dass die Polizisten hinterher sehr häufig fragen nach wie lange habt ihr denn noch Dienst?
00:09:45: Und wir dann sagen Wir machen das ehrenamtlich.
00:09:47: Wir gucken mal auf die Uhr und jetzt ist es sechs Uhr morgens.
00:09:51: um zehn müssen wir auf Arbeit sein.
00:09:53: Das wissen die Leute nicht.
00:09:55: dass und das finde ich schön Wenn das einfach ein bisschen Bekannter wird dass das eben eine Ehrenamtliche Arbeit ist und dass sie leider nicht wie zum Beispiel die freiwillige Feuerwehr, die ihr Feuerwehrgesetz hat und dementsprechend dann der Arbeitgeber gesagt bekommen kann.
00:10:11: Der kommt jetzt heute mal nicht zur Arbeit, weil er hat die ganze Nacht Brände gelöscht.
00:10:15: Das gilt für uns nicht.
00:10:16: Wir müssen mit unserem Arbeitgebers reden ob der das denn unterstützt?
00:10:21: Und ob das überhaupt geht.
00:10:22: wenn ich Krankenschwester bin?
00:10:24: Es sind nicht so viele Pflegekräfte da, das wissen wir alle, die fehlen überall.
00:10:29: Dann kann ich nicht einfach frei machen und dann muss ich mir überlegen, kann ich denn den Einsatz gehen?
00:10:33: Oder ist eben diese eine Person die jetzt hier vermisst wird.
00:10:37: Diejenige, die jetzt eben nicht gesucht werden kann weil ich andere Verpflichtungen
00:10:42: habe.
00:10:42: Weil Leute fehlen.
00:10:44: Frau Quanten nach einem Einsatz kommt irgendwann auch der Moment an dem sie wieder zu Hause sind da rund sich zusammenrollt und die Spannung abfällt.
00:10:53: was bleibt bei ihnen?
00:10:54: Sind das eher dann Bilder im Kopf die Dankbarkeit der Angehörigen oder das leise Gefühl zur richtigen Zeit losgefahren zu sein.
00:11:02: Was würden Sie jemandem sagen, der spürt?
00:11:04: Ich will auch etwas Sinnvolles tun.
00:11:07: Hab aber Respekt vor der Verantwortung.
00:11:09: Was geben Sie in den Menschen mit?
00:11:11: Letztendlich können wir nur unser Bestes geben.
00:11:14: Ob es zum Erfolg führt oder nicht, haben wir nicht in der Hand.
00:11:17: Ich sage denen, die Flächensuchhunde führen immer ... Wenn zehn Hunden im Einsatz sind, kann maximal einer die Person finden!
00:11:25: Und die anderen haben aber deshalb nicht schlecht gearbeitet oder sich nicht genug Mühe gegeben, sondern sie hatten halt ein Suchgebiet in dem die Person nicht war.
00:11:32: Jeder der im Einsatz mitgeht ganz egal ob er einen Hund führt, ob als Helfer mit geht, ob er in der Einsatzleitung sitzt oder in einem Fußdrupp guckt, die Straßen runterläuft durch die Gebäude läuft jeder trägt dazu bei dass man versucht diese Personen zu finden.
00:11:46: das kommt immer mal wieder dass man denkt Mensch hätte man noch was machen können?
00:11:49: Was hätte man doch tun können.
00:11:51: und manchmal gibt es auch Dinge die man noch hätte tun können Aber das liegt meistens dann nicht in unserer Hand.
00:11:57: Entweder sagt die Polizei, wir brechen das hier ab oder man hat nicht die Manpower.
00:12:03: Man muss arbeiten gehen beispielsweise und es geht einfach nicht mehr.
00:12:06: Oder der Hund kann nicht mehr ... Der Hund ist schon zehn Kilometer gelaufen, er kann jetzt nicht mehr!
00:12:11: Wenn wir fertig sind, dann muss auch Schluss sein.
00:12:16: Nichtsdestotrotz ist die Tatsache dass man es versucht hat Auch schon etwas, wo man sagen kann.
00:12:24: Wir haben unser Bestes gegeben und mehr ging halt nicht.
00:12:30: Aber Sie stehen auf?
00:12:31: Und Sie gehen los mit Ihrer Mannschaft?
00:12:32: Ja!
00:12:33: Mit den Hunden...
00:12:35: Man kann nur immer wieder losgehen oder man muss für sich entscheiden.
00:12:38: ich bin an einem Punkt, wo ich sage Ich kann das nicht mehr machen und solange das nicht erreicht ist mache ich weiter.
00:12:46: Vielen Dank für Ihr Engagement.
00:12:47: Danke schön.
00:12:49: Ja du hast diese Folge gezeigt was Ehren Amt im Kern bedeutet da zu sein, wenn es ernst wird und Verantwortung übernehmen ohne zu wissen wie's ausgeht.
00:12:58: Und auch trotzdem loszugehen.
00:13:00: Frau Quandt vielen lieben Dank für das Gespräch, für ihre Offenheit, ihre Zeit all die Einsätze für den Menschen mit den Hunden und ja ich sag mal vielleicht ein bisschen pathetisch aber für unsere Gesellschaft genau.
00:13:13: Wenn ihr mehr über die Arbeit der Rettungshunde Staffeln erfahren wollt und euch selbst vielleicht engagieren wollt dann findet er die Infos beim Deutschen Roten Kreuz in eurer Region.
00:13:22: Vielen Dank.
00:13:23: Gerne!
00:13:25: Kreuz und Quer.
00:13:28: Der Podcast ist DHK in Mecklenburg-Vorpommern.
00:13:31: Wir treffen uns zweimal im Monat hier.
00:13:33: Zusammen reisen wir durch die Vielfalt unseres roten Kreuzes.
00:13:37: Du willst dabei sein?
00:13:38: Dann melde dich bei mir.
00:13:39: Lass uns zusammen auf diese Höhereise gehen Bereit, dann freue ich mich auf deine Geschichte In Kreuz & Quer.